YETI GIRLS auf SPRING - Tour '99
Teil II
Zunächst Autobahn bis Olpe, dann 50 km Landstraße: Meschede
/ Sauerland. In dieser Gegend waren wir noch nie. Angekündigt als "Pogoformation"
spielten wir hier in einer Art Kneipencafe mit Internetzugang im Keller. Ebenerdig
gab es natürlich auch eine richtige Tür. Insgesamt sehr gemütlich und familiär,
nette Leute, mit denen man gleich per du ist und frisch gezapftes Siebenminütiges.
Dazu Sonnenschein, der die Bierwirkung begünstigt.
Das Publikum bestand aus nahezu allem, was Meschede so zu bieten hat und einer
handvoll Iro-punks, die eigentlich ja ganz nett waren, allerdings ein bißchen
Nachhilfe in puncto Toleranz - insbesondere gegenüber Schwulen - nötig hatten.
Ansonsten haben sich wohl alle recht gut amüsiert an diesem Abend. Jedenfalls
erzählte man uns das hinterher.
Außen: Matt Bianco. Innen: Debbie Harry
Eine tolle Überraschung für uns war, daß plötzlich Marilyn
Manson reinschneite, auf die Bühne kam und etwas zum besten gab. Er drehte gerade
zusammen mit Eddy Murphy und dem Papst auf einer nahegelegenen Sommerrodelbahn
sein neues Video, als er auf Radio Sauerland von unserem Auftritt hörte und
spontan, wie er nun mal ist, sich gleich ins Auto setzte und vorbeikam. Wir
hatten uns so viel zu erzählen. Und so fing unser eigentlicher Abend erst nach
dem Gig an.
Wir haben uns auch etwas abfüllen lassen. Und zwar gerne!
"Hallo, wir sind die Band!"
"Ach so, ich wollte euch gerade rausschmeißen!"
Viel zu früh kamen wir in Wuppertal an. Da wir Sonnenbrillen trugen, erkannte
man uns nicht gleich.
Doch dann war schnell das Eis gebrochen. Wir nutzten die Zeit, bis wir mit unserem
Aufbau beginnen konnten, recht sinnvoll: Yessica, Wendelin und Harry schoben
sich gegenseitig auf sogenannten Hunden (Transportrollbretter) derart bescheuert
durch die Halle, daß es eine Freude war, ihnen zuzusehen. Später erklommen wir
noch das Dach und schmissen kleine Steinchen herunter. Harry traf zuerst in
Krollis Tasse, kurz darauf auch Wendelin. Was für ein toller Wettbewerb.
Nach dem Soundcheck ab zu unseren Wuppertaler Schwestern von Uncle Ho (www.infomusic.de).
Die machen nämlich einen regelmäßigen Internet-Chat. Und heute halt mit den
Yeti Girls. Wir unterhielten uns via Bildschirm eine Stunde lang mit 20 Leuten
gleichzeitig! Das Material dieser einen Stunde hätte alleine ausgereicht, zehn
Spaßvogel-Samenbanken zu beliefern.
Zurück in die Börse! (die YG-Aktie ist schon wieder 3 Prozentpunkte gestiegen!)
Angedacht als einstündiger Einheizer für die "Tanz in den Mai"-Disco, spielten
wir "wegen der breiten Zustimmung der Bevölkerung für unsere Musik" dann doch
fast volle Konzertlänge.
Interaktive Gespräche (Real Audio)
Danach konnten die DJ's abjagen und vollenden, was wir vorbereitet haben: einen
geilen Abend, der uns selbst auch erst um 3 Uhr morgens gehen ließ.
P.S.: Der Versuch, vom Hotel aus noch ein Pizzataxi zu bestellen, scheiterte.
Support: Mädels No Mädels
Jeden Tag eine andere Party. Gestern "Tanz in den Mai", heute "Tanz aus dem
Tanz in den Mai wieder heraus". Und das auch noch in Backnang Rock City, dem
Herzen Punklands. Ein Wunder, das wir uns heute morgen überhaupt aus den Betten
geschält bekommen haben. Aber wer feiern kann, kann auch arbeiten! Und die 450
km bis Backnang waren diesmal echte Arbeit. Kilometer fressen und die permanente
"Angst vor dem Sekundenschlaf" (zitiert aus: 'Übermüdung tötet' von Tom Astor)!
Als einziger hellwach: W. Geier, aktueller Held der Arbeit
Als wir dann endlich da waren, waren wir komischerweise alle wieder fit.
Es reichte sogar aus, sich etwas sportlich zu betätigen. Wir fickten ein bißchen
den Fußball und Yessica (das arme Schwein hat keinen Führerschein) drehte eine
kleine Runde mit Daniels halbautomatischen Käfer. Unsinnige Mutproben am Rande
eines reißenden Flusses folgten.
Die Haudegen von Mädels No Mädels - der Drummer ist ein alter Spezi und heißt
obendrein auch Harry (sehr sympathisch!) - heizten dann ab kurz nach neun mit
arschgutem Punkrock ein, so daß wir schon schwitzten, obwohl wir erst auf dem
Weg zur Bühne waren. Es war wieder so ein Abend, wo der Schweiß von der Decke
tropfte. Muß ich mehr sagen...
Die Schwaben (Real Audio)
Paranormale Bildstörungen im Juze-Backstage
Gegen 3 Uhr morgens drehten wir im Hotel mit unserer neu erworbenen Videokamera
noch einen genre-übergreifenden Kurzfilm. Es handelt sich hierbei um eine Mischung
aus Gangsta-Movie, "Dalli Dalli" und "Kinderquatsch mit den Yeti Girls". Gute
Gründe sprechen allerdings dafür, das man ihn wahrscheinlich niemals zu sehen
bekommt.
Wir haben uns das Werk jedenfalls noch in der selben Nacht drei mal angesehen
und uns dann langsam in den Schlaf gelacht.
04.05. Berlin, Kantine in der Kulturbrauerei
Support: New Wave Hookers
Ein offenes Wort: ich habe jetzt keinen Bock hier niederzuknien und zu erzählen
wie toll Berlin doch ist. Was kann ich also tun? Berlin, Hauptstadt, Metropole,
Nabel zur Welt und heute sind die Yeti Girls in der Stadt. In der Kulturbrauerei,
Nähe Prenzlauer Berg, zusammen mit einer unserer erklärten Lieblingsbands, den
New Wave Hookers, spielten wir auf. Und es war ein wahrhaftiges Hauptstadtpublikum
anwesend.
Wir spielten allerdings auch ein echtes Hauptstadtkonzert. Publikum und Band
hatten sich heute Abend so richtig einander verdient. Interaktiv schaukelten
wir uns gegenseitig hoch. Da störte es auch nicht, daß Evi, schwächephasen-bedingt,
diesmal nur einmal (!) "ficken" rief. Bei so einem Gig wird einem wieder klar,
warum man sich eigentlich um sieben Uhr aus dem Bett quält, um neun losfährt,
600 km bei sengender Hitze im Bus sitzt und dann die Backline in einem Club
aufbaut.
O.K., Gig zu ende, noch was essen, ein paar Bier und Heia.
Come On (Real Audio)
Vom Offday tags darauf will ich Euch erzählen:
Harry war früh auf und umtriebig. Als wir uns alle gegen eins zum leckeren Frühstück
wieder trafen, brachte er die Information mit, daß die Fanta 4 in der Stadt
seien und Abends ein Undercover-Konzert spielen würden. Alle Hebel in Bewegung
gesetzt, gelang es uns, eine Zweiergesandtschaft dort hinzuschicken. Harry und
MMD Mike (der Millenium-Mercandiser) waren also für den frühen Abend mit Unterhaltung
versorgt.
Krolli und Wendelix entschlossen sich, angeregt durch indisches Essen, ein Death
Metal Konzert zu besuchen. Headliner: IMMORTAL. (So etwas macht man, glaub ich,
auch nur auf Tour...)
Yessica hatte eine Option auf Kula Shaker, begann seinen Abend dann aber doch
lieber einfach in einer Kneipe. Wahrscheinlich lag's an der charmanten Begleitung
von Evi und Biggi.
Wolle hatte heute Freigang.
Nach den Fantas stießen Harry und MMD im "Enzian", die Kneipe des wahren Heinos,
zu Yessica und den echten Mädels, um sich bei ein paar Getränken erst einmal
von der Geilheit dessen, was sie da gerade erleben durften, zu beruhigen. Ein
Telefonat - Handy sei Dank - und eine halbe Stunde später waren wir alle bereits
auf der Fanta-Aftershow-Party, wo wiederum später auch unsere lieben Death-Metaller
auftauchten. In dem Moment, wo wir nun alle wieder beisammen waren, riß der
Film allerdings auch wieder. Auf jeden Fall waren wir alle am nächsten Morgen
artig um zehn Uhr am Bus. Ready to go Hamburg.
Support: New Wave Hookers
Was macht man eigentlich noch, wenn man gerade aus zwei Tagen intensivstem Berlin,
incl. geilem Konzert "erwacht"? Nun, man fährt nach Hamburg und spielt da ein
Konzert im Molotow!
Um das ganze abzurunden, geht man nachmittags noch zum Fernsehsender "Hamburg
1" und tritt dort live in Diethers Show auf. War das ein Spaß! Einen chaotischeren
Haufen (hi, hi, "Haufen!") wie die Leute von dieser Show, kann man sich gar
nicht vorstellen. Da paßten wir genau hin! Um zu beschreiben, was da abging,
müßte man wahrscheinlich eine eigene Homepage programmieren.
Im Molotow (liegt direkt an der Reeperbahn neben dem Cats-Gebäude) wurden wir
dann von der nettesten Mädels-Crew empfangen, die uns jemals empfangen hat.
Rica, Natascha, Wiebke und ein weiteres bezauberndes Geschöpf, schmissen heute
den Laden. Sie gehören zu der Gruppe Mädchen, wo man sich gut fühlt "schon wenn
sie nur 'rumstehn".
"Sonderangebooot!!!" Dieses Amateur-Videodokument gibt Aufschluss
darüber, wo Wendelix' Koffer abgeblieben sein könnte.
Der Club selbst könnte auch in London, New York oder auf dem Mars sein:
mittelgroß, schummrig und geiles Flair. Hier spielt man schon einfach gerne.
Abends dann ein kleines Stelldichein von Plattenfirma, Management, Prominenz
und Semi-prominenz. Davon jedoch kaum beeindruckt, spielten wir so frisch auf,
als wären wir nie in Berlin gewesen und hätten die letzten beiden Tage dreißig
statt nur sechs Stunden geschlafen.
Harri (Real Audio)
Buch (Real Audio)
Mit dieser Frische zogen wir dann auch noch ein weiteres Mal ins Nachtleben ab. Diesmal eben ins Hamburger. Und war wohl irgendwie gut, denn Teile der Band kamen erst bei einsetzendem Tageslicht zur "Nachtruhe".
Das letzte Mal haben wir hier im Winter '96 gespielt, zusammen mit einer
britischen Schmuddelpunkband namens Bad Blood. Die wollten einen Offday überbrücken,
um zumindest was zu Essen umsonst zu bekommen. Und wüsteten sich so übers Catering
und den Backstage-Raum. Ansonsten waren sie natürlich sehr nett; ganz britisch
Gentlemen eben. Die weitere Erinnerung an den Tower war: Kneipe mit Bühne direkt
gegenüber der Theke, so daß man praktisch vor auf Barhockern sitzendem Publikum
spielt. Mit anderen Worten: Hurra, endlich wieder in Bremen ...!
Doch es kam natürlich anders! Der Club ist nun an wenigen, doch entscheidenden
Stellen umgebaut und zu einer richtig guten Live-Location mutiert. Theke zurückgesetzt,
Bühne in die Ecke, Tanzfläche größer, ein paar Farbkleckse hier und da, fertig!
Zugegebenermaßen war es heute Abend nicht ausverkauft, die anwesenden Anwesenden
machten jedoch lautstärkemäßig den Eindruck, als wäre es ausverkauft. Können
wir also auch nicht allzu schlecht gewesen sein.
Fake-Gitarre (Real Audio)
Ein weiteres Bonbon: die Disco anschließend! Es gibt sie doch noch, die
DJ's, die wissen, was man hören möchte, ohne daß man es selbst weiß.
Er: "Die Chaplin-Masche zieht immer..." -
Sie: "Nicht schon wieder die Nummer!"
Support: The Porcupines
Wieder mal ein Konzert vor unserer Homebase. Da wird man ja manchmal etwas unlocker,
gerade weil man eben alles besonders gut machen will. Jedoch: es gibt Momente,
da stimmt einfach alles: das Land, die Leute und der Kaffee, bzw. das Konzert
und seine eigene Atmosphäre.
Niesi, Willi und Onno "Setzer" Calzone, genannt "The Porcupines", heizten gut
vor. Daß Yessica während ihres Auftritts Backstage kurz einnickte, lag wohl
mehr an unserer Gangart die letzten Tage, als an derer Darbietung. Pünktlich
zum Gig war er jedenfalls wieder voll da.
Hass (Real Audio)
Da ich nicht jeden Abend von einem Jahrhundertkonzert sprechen möchte, begnüge
ich mich mal mit der bescheidenen Aussage, daß wir heute so dermaßen das Haus
rockten, daß es selbst dem Papst im fernen Rom eine Beule in die Hose trieb
(er rief mich später an und bedankte sich).
Tennis (Real Audio)
Teletappis (Real Audio)
Nimmermüd wie wir so sind, luden wir nun zu unserer eigenen Aftershow-Party ins nahegelegene Monheimer Sojus 7. Dort waren dann nochmal fünf bis acht Stücke aus dem Yeti-Raritätenkabinett angedacht. Bekannte hatten uns dort ihre Verstärker und die Trommeln aufgestellt. Wir standen also dort auf einer Bühne so groß wie ein Schlagzeugpodest (es war übrigens ein Schlagzeugpodest!), hinter uns das kleine "Y" brennend, und legten los. Wie eigentlich nicht anders zu erwarten, wurde es dann doch nochmal eine Stunde wunderbarer Erinnerungen (Carsten Linder sang Seximini), überzeugender Textvarianten (Evil Eve sang Love Letter Boy) und echter Glam-Trash-Interpretationen verloren geglaubter Yeti Girls-Stücke. Ein jeder der nicht da war, möge nun vor Selbsthass platzen. Der Abend klang danach mit einer wohlverdienten Alkoholhuldigung aus.